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Reisen - Wallfahrten - Expeditionen

Noch ist nicht geklärt, warum sich der Prinz besonders für die Liturgie, die Kulte und Klöster der orthodoxen Christen, interessierte. Er stammt aus einer streng religiösen Familie, wobei als Besonderheit das Bekenntnis des Hauses Wettin zum katholischen Glauben zu erwähnen ist. Mit dem Erwerb der polnischen Krone 1697 wurde durch August im Land der Reformationen ein Glaubenswechsel durchgeführt.

Zunächst war die Hinwendung zu Katholizismus nur politisch motiviert, was sich in Jahren doch änderte. König Georg galt nach dem Tod seiner Frau als besonders religiös, Johann Georg ließ häufig von Geschichten der Päpste, und sein Bruder Max erhielt, nachdem er Priester geworden war, einen Lehrstuhl für Kirchenrecht und Liturgie an der Uni Freiburg/Schweiz.

1903 - 1909 unternahm Johann Georg Reisen in den Vorderen Orient, nach Griechenland, Russland und die Balkanländer, wo er sich mit der orthodoxen Kirche beschäftigte. Er lernte die kirchenslawische, syrische und armenische Sprache, um die eingesehenen Texte zu verstehen. Texte mit liturgischen Inhalt übersetzte er ins Lateinische.

Reisen in den Orient waren seit dem frühen 19. Jahrhundert nichts Ungewöhnliches mehr. Durch die Forschung von Altertumskundler mittels Grabungen und Expeditionen wurde das Interesse der Westeuropäer verstärkt auf die Erforschung biblischer Stätten und der christlichen Gemeinschaften im Morgenlande gelenkt. Vermehrt wurden auch Wallfahrten zu heiligen Stätten auch von Lehrern, Bauern und Handwerkern begleitet.

Es gibt nicht viele Zeugnisse über die Reisen Johann Georgs nach Russland zum Ende des 19. Jhd. Die Aufenthalte hatten eher diplomatischen Charakter. 1910 reiste Johann Georg erstmalig nach Ägypten, auf den Sinai, nach Palästina und Syrien. Weitere sechs orientalische Aufenthalte folgten bis zum Jahre 1930, bei denen er zahllose Klöster und Kirchen aufsuchte.

Als Vorsitzender des Sächsischen Roten Kreuzes reiste er während des Ersten Weltkriegs mehrmals nach Russland und Polen. In seiner Abhandlung "Kunst und Kunstforschung im slavischen Osten" (1919) berichtet er von seinen Besuchen in Kiew und weiteren russischen Städten, worin er aber die Lazarettbesuche nur kurz erwähnt. Es scheint stattdessen, er hätte sich die größte Zeit mit Besuchen in orthodoxen Klöster und Kirchen, Gespräche mit Geistlichen und der Kirchenkunst beschäftigt.

In seinen Aufsätzen und Abhandlungen findet man kaum ethnographische Alltags- oder Bevölkerungsbeschreibungen. Ausführlich beschreibt er die kirchlichen Bauten, deren Innenausstattung und Bibliotheken, sowie liturgische Handlungen der Priester und Mönche. Jedoch spricht man im ethnographischen Sinne von Feldforschung.

Seine erste größere Abhandlung "Streifzüge durch die Kirchen und Klöster Ägyptens" erschien 1914. Zuvor schrieb er Aufsätze, die z.B. in der Zeitschrift für christliche Kunst des Orients und im Burlington Magazine zu finden waren. Die Gründe für seine Erkundungen nennt er im Vorwort: Die Kenntnisse über das christliche Ägypten fördern und Forschungen anregen.

Vor seinen Reisen studierte er Publikationen und wissenschaftliche Studien von Forschern, die sein Reiseziel bereits besuchten. Im Gepäck des Prinzen fanden sich der Baedeker und viele wissenschaftliche Abhandlungen. Durch seine polyglotte Erziehung konnte er sich problemlos in den Großstädten von Ägypten, Syrien und Palästina bewegen. Da er aber auch abgelegene Klöster und Stätten besuchte, war er immer in Begleitung sprachkundiger Wissenschaftler.

Ein Zitat soll die Art und Weise seiner Darstellung zeigen:

"In der Stadt [Kairo] ist die Zahl der Kirchen eine viel geringere. Die meisten sind sehr klein und unscheinbar. Auch liegen sie in Höfen und sind von der Straße gar nicht sichtbar. Keine von ihnen enthält Kunstschätze, die sich mit denen in Alt-Kairo messen können. Und doch lohnt es sich für den Forscher, auch sie in Augenschein zu nehmen. a) Die Koptische Kathedrale. Diese liegt nicht weit von den modernen Hotels verborgen an einer engen Gasse. Sie ist ein ganz neuer Bau, der architektonisch gar nichts bietet. Im Gegensatz zu den alten Kirchen sind hier zwei Türme. Die neuen Ikonen sind sehr unbedeutend. Schön und alt ist nur ein Bücherpult in eingelegter Arbeit [...] Gleich neben der Kathedrale wohnt der koptische Patriarch Kyrillos, dem ich nach meiner Rückkehr aus der nitrischen Wüste einen Besuch machte, um ihn für die Empfehlung an die Klöster zu danken."

In der Veröffentlichung von 1914 findet sich auch eine deutsche Übersetzung eines Empfehlungsschreibens seines Reisebegleiters Paul Kage:

"An die geehrten und gesegneten Väter, die Obersten der Klöster des Abu Makar [Der Abu Makar] und des heiligen Amba Bischoi [Der Amba Bishoi] und des Klosters der Syrer [Der as Suriani] und des Klosters Baramus [Der al Baramus] in der Wüste Sihat. Es wird hiermit gemeldet, daß seine Hoheit Johann Georg von Sachsen die Absicht hat, die Wüstenklöster [...] zu besuchen [...]. Er soll mit dem entsprechenden Entgegenkommen aufgenommen werden, an jedem Orte mögen ihm genannt werden und gezeigt werden alle Antiquitäten [...]. Zum Schluß Dank und Anerkennung für Eure Bemühungen. 16. Okt. 1912. Kyrillos."

Der Prinz reiste stets mit Gefolge. Die Vertretungen der Hapag in den Landeshauptstädten der Reiseländer organisierten Ausflüge und Reiseleiter. Auf seiner zweiten Orientreise begleiteten ihn seine Frau, seine Schwester, seine Schwägerin, PD Dr. Paul Kage, geistlicher Beistand und des Arabischen kundig, sein Adjutant und weitere einheimische Helfer. In Ägypten ließ er sich von dem Vizepräsidenten des koptischen Gemeinsamen Rates zu den Klöstern und Kirchen führen, und an den besuchten Orten waren häufig noch weitere Personen als Begleiter dabei.

16 Jahre später, nach zwei weiteren großen Reisen in den Orient, veröffentlichte er: "Neue Streifzüge durch die Kirchen und Klöster Ägyptens" mit Beobachtungen und Studien zu seinen Expeditionen. Die Besuche vergleicht er mit früheren und kann so Fortschritte der Renovierungen, als auch die voranschreitenden Zerstörungen erkennen. Er versucht seine vergleichenden Forschungen und neue Interpretationen des Gesehenen dem Leser zu vermitteln.

 
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