Studien zur Volkskultur in Rheinland-Pfalz Band
29
Kurt
Uhlenbruck
Die
Schleppschiffahrt auf der Gebirgsstrecke des Mittelrheins
Eine volkskundliche Untersuchung
Dissertation Mainz 2003
Mainz 2004, 285 Seiten, mit 33 Abbildungen
ISBN: 3-926052-28-7
Preis: € 28,50

Die Schleppschiffahrt
als besondere Form des Gütertransportes wurde auf dem Rhein ab
der Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführt und hielt sich bis
in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, als die Schleppzüge von
den selbstfahrenden Gütermotorschiffen abgelöst wurden. Solche
Schleppzüge konnten mit bis zu acht angehängten Schiffen über
1.000 m lang sein und waren mit dieser Länge in den engen Kurven
und der starken Strömung auf der Gebirgsstrecke des Mittelrheins
zwischen St. Goar und Bingen nicht mehr manövrierfähig.
Die Salziger
Schiffsreede
Schleppzüge,
die von Norden bergwärts kamen, mußten daher auf der Schiffsreede
in Salzig geteilt werden. Höchstens drei Schiffe konnten bergwärts
mitgenommen werden. Die übrigen wurden in Salzig zurückgelassen
und in einer weiteren Fahrt des Schleppboots nach Bingen nachgeholt.
Je nach Wasserstand ankerten bis zu 300 Schleppschiffe auf der Salziger
Schiffsreede und warteten auf die Weiterfahrt. In der Zwischenzeit füllten
die Schiffsbesatzungen ihre Lebensmittelvorräte in den Salziger
Geschäften wieder auf; deren Umsatz war deshalb von der Zahl der
wartenden Schiffe abhängig.
Leben und
Arbeit der Schiffer
Da es in jenen Tagen
um die Erwerbslage am Mittelrhein schlecht bestellt war, arbeiteten
viele Männer zudem direkt auf den Schiffen oder waren mit der Schleppschiffahrt
eng verbunden. Da
heute nicht mehr viele Schiffer aus dieser Zeit leben und auch nur noch
wenige Menschen aus der Region auf Schiffen tätig sind, sollte
mit der Untersuchung dargestellt werden, wie stark die Schleppschiffahrt
das Leben an der Gebirgsstrecke einst bestimmte, wie der berufliche
Werdegang der Schiffer verlief und wie sie auf den Schiffen lebten und
arbeiteten.
Methode
und Ziel der Untersuchung
Als Methode der
Untersuchung wurde in erster Linie von der direkten Befragung Gebrauch
gemacht. Im Vordergrund standen bei den Gesprächen jene Personen,
die auf den Schiffen einst gearbeitet haben. Darüber hinaus wurden
aber auch eingehende Gespräche mit Leuten geführt, die für
die Schiffahrt unterschiedliche Aufgaben erfüllten oder die auf
sonstige Art mit der Schiffahrt oder den auf den Schiffen lebenden Menschen
zu tun hatten (z.B. Proviantbootbesitzer, Wasserschutzpolizisten, Leineschnäpper).
Insgesamt war es
das Ziel der Untersuchung, aus volkskundlicher Sicht die Schleppschiffahrt
und ihre Besonderheiten auf der Gebirgsstrecke des Mittelrheins darzustellen.
Dabei kam es darauf an, die Mühen und schweren körperlichen
Strapazen der in der Schiffahrt tätigen Menschen zu protokollieren
und im Sinne „dichter Beschreibungen“ ein Bild ihrer Lebensverhältnisse
jenseits aller Romantisierungsversuche zu entwerfen. Daneben war auch
zu berücksichtigen, daß einst in vielfältiger Weise
Einrichtungen und Dienste für die Schleppschiffahrt auf der Gebirgsstrecke
des Mittelrheins bestanden, an die uns heute allenfalls noch spärliche
Zeugnisse erinnern (z.B. Wahrschaustationen, Reedereiagenturen).
Über
den Autor
Kurt Uhlenbruck
wurde 1927 in Boppard am Rhein geboren. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft
bestand er 1946 die Reifeprüfung in Boppard und studierte anschließend
Veterinärmedizin. Sein Studium schloß er 1950 an der Tierärztlichen
Hochschule in Hannover mit dem Examen ab; 1951 wurde er dort auch zum
Dr. med. vet promoviert. Es folgten fast 40 Jahre Berufstätigkeit
als Veterinärmediziner in unterschiedlichen Positionen.
Nach seiner Pensionierung
entschloß sich Kurt Uhlenbruck dazu, noch einmal die Universität
zu besuchen und mit einer Untersuchung zu einem Thema promoviert zu
werden, das ihn seit seiner Kindheit beschäftigt hat: die Schleppschiffahrt
auf der Gebirgsstrecke des Mittelrheins. Die Arbeit wurde 2003 eingereicht
und ihr Verfasser im selben Jahr "mit großem Lob"(mcl)
zum 2. Mal in seinem Leben promoviert.
Das Buch ist wieder
erhältlich und kann im Buchhandel bestellt werden. (ISBN: 3-926052-28-7)

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