zeitschrift
 


Ausgabe 17/1 2002

Walter Dehnert
Schwarzwald gestern und heute
Eine Rückblende im Film

Recherchen und Stoffentwicklung

Bei Beginn meiner Tätigkeit als Filmautor für den Südwestfunk (SWF) bzw. Südwestrundfunk (SWR) hatte ich bereits eine ganze Reihe von Personen, Artefakten und Orten identifiziert. Schriftwechsel mit den Gemeindever-waltungen Glottertal bzw. Waldkirch und die Sichtung der einschlägigen Literatur trugen hierzu bei. Retzlaff filmte den Lehrer Josef Bitsch (1880-1947) in der Dorfschule in Oberglottertal, die heute als Kindergarten dient. Das von ihm aufgenommene Orchestrion trägt den Namen "Euterpe", angefertigt um 1900 von den Brüdern Weber in Waldkirch. Es stand seinerzeit im Hotel Adler in Gutach im Breisgau, heute ausgestellt im Elztalmuseum in Waldkirch im Breisgau. Die Putzmacherin ist Theresia Ruth (1882-1966). Sie besaß in Waldkirch in der Lange[n] Straße eine Werkstätte als Trachtenhutmacherin. Die Aufnahmen vom Schnapsbrennen entstanden auf dem Bernethansenhof im Glottertal. Das "Vesperläuten" filmte Retzlaff auf dem Gelände des Wäl-derhansenhofes im Glottertal, die Hofkapelle mit einer Glocke aus dem Jahre 1777 wurde vor etlichen Jahren renoviert.

Weitere Informationen konnte ich dann über persönliche Kontakte gewin-nen. Die auf einer Papierrolle ausgedruckten 26 Standbilder des Retzlaff-Fil-mes erwiesen sich als ideales Medium der Kontaktaufnahme, um Zeitzeugen und weitere historische Schauplätze ausfindig zu machen. Eine Mitarbeiterin der Gemeinde Glottertal vermittelte ein Gespräch mit dem Bürgermeister, ein Mitarbeiter vom Fremdenverkehrsamt den Kontakt zu Bernhard Hoch, Lehrer und ehrenamtlicher Archivar im Glottertal. Dies erwies sich rasch als bedeut-samer Glücksfall, denn Bernhard Hoch stellte weitere wertvolle Kontakte her, und sein profundes Wissen sollte dem Filmvorhaben unmittelbar zugute kom-men.

Eine gemeinsame Sichtung des historischen Filmmaterials bestätigte den Inzensierungscharakter zahlreicher Szenen, beispielsweise den komplett gestellten "Hochzeitszug". Die Rolle des "Brautpaares" in diesen Inszenierungen spielten Julius und Rosa Strecker nicht nur in dem hier vorgestellten Film. Für den "Täufling" vom Bernethansenhof bediente sich Retzlaff ebenfalls der Inszenierung. Der Hofbauer hätte den Täufling niemals zu Fuß bis zur Kir-che getragen, sondern wäre dort mit der "Chaise", einem Pferdewagen, vorgefahren. Frauen in Sonntagstracht [!] verrichteten keinesfalls alltägliche Arbeiten wie Buttern oder Broteinlagern wie bei Retzlaff gezeigt. Die Mädchen wären niemals in Sonntagstracht zum Unterricht in der Schule erschienen. Auch die Besucherin eines Bauernhofes (Zwischentitel "Auf dem Schwarzwaldhof wird dem Gast Schwarzwälder Speck und Kirschwasser angeboten") hätte am Tisch bei der Bewirtung niemals das Brot selbst abgeschnitten, denn dies gehörte stets zur Domäne der gastgebenden Familie. Das Schnapsbrennen filmte Retzlaff auf dem Bernethansenhof im Glottertal, das Füttern der Schweine auf dem Wuspenhof in Ohrensbach und das Brotbacken auf dem Mattenhof in Ohrensbach. Das Backhäuschen wurde längst abgerissen.

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