zeitschrift
 


Ausgabe 17/1 2002

Walter Dehnert
Schwarzwald gestern und heute
Eine Rückblende im Film

SWR-Sendereihe "Landesschau unterwegs"
Vom Wandel des Schwarzwaldbildes. Auf den Spuren von Hans Retzlaff

Länge: 28 Min. 30 Sek
Buch: Walter Dehnert
Regie: Hans-Dieter Barth
Kamera: Claus Baudisch
Schnitt: Monika Zeindler-Efler
Ton: Christian Zecha
Tonmischung: Wolfgang Ort
Sprecher: Karl-Rudolf Menke
Produktion: Sebastian Rau
Redaktion: Frank Haase, Felicitas Wehnert
Mit Dank an Bernhard Hoch, Glottertal
Sendung im SWR-Fernsehprogramm (BW) am 12. Juni 1999
Reihe "Landesschau unterwegs"

Der Film gliedert sich in sieben Sequenzen: Einführung (45 Sek.), Religion / Frömmigkeit (4 Min. 42 Sek.), Trachten / Schwarzwaldklischees (7 Min. 18 Sek.), Arbeit / Land- und Holzwirtschaft (7 Min. 17 Sek.), Orchestrion (4 Min. 18 Sek.), Hammeltanz (2 Min. 2 Sek.), Ausklang mit Abspann (2 Min. 42 Sek.). Die erste und letzte Einstellung des Films zeigt eine Panorama-Ansicht des Glottertals und schafft damit einen eindrucksvollen Rahmen.

Der Kommentar zur Sequenz I des Films lautet: "1935 drehte Hans Retzlaff einen 20minütigen schwarz-weiß Film über den Schwarzwald. Der Film zeigt Feste und Bräuche, auch das alltägliche Leben. Aber einige Szenen hat er arrangiert. Diese kleine Prozession [Gang einer Familie mit Täufling] ist extra für die Filmaufnahmen bestellt worden. Das Steppkissen ist leer, es ist keine echte Taufe. - Retzlaff hat seinen Schwarzwaldfilm vor allem im Glot-tertal gedreht. Es ist die Sichtweise eines Großstädters aus Berlin auf eine scheinbar idyllische Welt. Wir sind den Spuren von Hans Retzlaff nachge-gangen. Zeichnete er ein ‚geschöntes' Bild? Und: Gibt es aktuelle Bezüge zur Gegenwart?" Dieser Fragestellung wird der Film nun konsequent nachgehen.

Der Kommentar weist bereits in Sequenz II darauf hin, daß auch Trach-ten einem modischen Wandel unterliegen und nennt den örtlichen Pfarrer als Intitiativperson zu Erhaltung der Trachten im Glottertal in den sechziger Jahren. In Sequenz III heißt es: "Dieser Hochzeitszug ist komplett inszeniert und arrangiert. Dies gilt auch für die angeblichen Besucherinnen aus dem Markgräflerland und die Frauen aus dem Gutachtal mit ihren Bollenhüten. Die roten Bollenhüte sind zum Klischee geworden und werben für den Schwarz-wald im In- und Ausland. Retzlaff griff dieses Klischee auf, das bereits um 1900 fest verankert war. Er war mit dem Glotterbaddirektor Ernst Rossmy be-freundet, dem der Fremdenverkehr am Herzen lag und für den die Werbung wichtig war. Auch vor diesem ökonomischen Hintergrund sind die Filmauf-nahmen zu sehen." Weiter heißt es: "Die Aufnahmen in der Schule sind ge-schönt. Die Kinder tragen ihre Sonntagstracht im Unterricht. Im Gegensatz zu Retzlaffs Filmbildern trugen Kinder auch nie einen Schnapphut. [...] Die Rollen-kränze waren so kostbar, daß die Mädchen nie mit ihnen getanzt hätten. Diese Arbeits- und Alltagstrachten [beim Wäschewaschen und Brotbacken] vermit-teln dagegen ein realistisches Bild. In Sonntagstracht hätte man [allerdings] nie gearbeitet und etwa Brote eingelagert oder gebuttert - hier wird Retzlaffs groß-städtischer Blickwinkel abermals deutlich." Ihm kam es allein auf die Bildwirk-samkeit an.

Sequenz IV thematisiert die Arbeit in einem modernen Sägewerk im Glottertal: "Doch vom wahren Reichtum des Schwarzwaldes wird weder von Retzlaff noch von modernen Werbeunternehmen gesprochen: vom Holz. Holz-einschlag, -transport und -verarbeitung sind mit Lärm und Dreck verbunden. Das lockt keine Touristen. Der hohe Grad der Automation zeugt von intensiver Rationalisierung auch in diesem Bereich." Nach dem Orchestrion (Sequenz V) und den Aufnahmen des Hammeltanzes (Sequenz VI) beschließt der folgende Kommentar in Sequenz VII den Film: "Das Glottertal ist seit 1985 vor allem bekannt durch die Fernsehserie ‚Schwarzwaldklinik'. Sie ist ein weltweiter Ex-portschlager und vermittelt vor allem in den USA ein touristisch geprägtes Schwarzwaldbild. Damit steht diese Produktion in einer Reihe mit dem er-folgreichen Heimatfilm ‚Schwarzwaldmädel' aus der Nachkriegszeit - mit allen Klischees, die man über den Schwarzwald kennt...

So sehr sich auch das Schwarzwaldbild, hier am Beispiel des Glottertals, verändert haben mag, eines ist damals wie heute geblieben: die Landschaft - trotz Siedlungsverdichtung und Straßenbau. Mit dem Tourismus wird die Land-schaft erschlossen. Gleichwohl gibt es im Glottertal, und nicht nur dort, Orte der Stille und Behaglichkeit, die den Blick schweifen und uns ahnen lassen, was die Menschen am Schwarzwald immer wieder fasziniert hat."

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