Ausgabe 17/2 2002
Gabriele Stüber
/ Andreas Kuhn
Glaube im Alltag
Die Sammlung Volksfrömmigkeit im Zentralarchiv der
Evangelischen Kirche der Pfalz
Vorbemerkung
Ein
Schutzengel geleitet zwei Kinder über eine defekte Holzbrücke,
unter der ein reißender Bach schäumt. Eine dramatische Gebirgslandschaft
mit Wald und ein Gewitterhimmel mit zuckendem Blitz vermitteln eine
bedrohliche Atmosphäre.
Als das Zentralarchiv
der Evangelischen Kirche der Pfalz dieses Bild in einer Ausstellung
präsentierte, kamen bei vielen Besucherinnen und Besuchern Erinnerungen
auf: Das hing bei uns im Kinderzimmer, hieß es da
oder: Meine Großmutter hatte das Bild lange Jahre im Schlafzimmer
hängen. In der Tat ist diese Chromolithographie eines der
bekanntesten Bilder ihrer Gattung. Seit Ende des 19. Jahrhunderts massenhaft
gefertigt, hingen Motive meist religiösen Inhalts vorzugsweise
in den Schlafzimmern von Kleinbürgertum und Arbeiterschaft.
Entstehung
und Entwicklung der Sammlung Volksfrömmigkeit
Angeregt durch die
positiven Reaktionen auf eine gemeinsam mit dem Archiv des Bistums Speyer
gezeigte Ausstellung zum Thema Volksfrömmigkeit und
bestärkt durch zunächst unaufgeforderte Angebote von Objekten
betreibt das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer
seit Anfang des Jahres 2001 gezielt den Aufbau einer stetig wachsenden
Sammlung Volksfrömmigkeit. Die Erfahrung insbesondere
in Gesprächen mit verschiedenen Ausstellungsgästen hatte gezeigt,
dass viele Menschen nach einer Möglichkeit suchten, ihre Familienerbstücke,
für die vielfach keine Verwendung mehr bestand, an eine Institution
abzugeben. Es war zu vermuten, dass noch viele Stücke auf Dachböden
oder in Kellern schlummerten. Durch die Sammlungsinitiative wollte das
Zentralarchiv Zeugnisse privater christlicher Frömmigkeit vor dem
Verfall oder der Vernichtung bewahren und einen wichtigen Bereich kirchlichen
Lebens dokumentieren.
In Absprache mit
dem Bistumsarchiv wurden von Anfang an Objekte beider Konfessionen gesammelt.
Dank zahlreicher Schenkungen und einiger Erwerbungen vor allem auf pfälzischen
Flohmärkten umfasst die Sammlung derzeit fast 350 Stücke.
Der Bestand ist durch eine Datenbank erschlossen und zum Teil fotografisch
dokumentiert. Jedes Stück ist ausführlich beschrieben und
nach Möglichkeit mit Literaturhinweisen versehen. Soweit die Besitzgeschichte
der Stücke zu ermitteln war, wurde auch diese vermerkt. Der zeitliche
Schwerpunkt liegt im 19. und 20. Jahrhundert. Die Sammlung beinhaltet
folgende Kategorien, wobei sich die Klassifikation an den vorhandenen
Stücken orientiert:
· Religiöses
Schrifttum (Andachts- und Erbauungsbücher, Gebetbücher, Religionspädagogische
Druckwerke, Kalender, Liederbücher);
· Religiöser Wandschmuck (Haussegen und Wandsprüche,
Christusdar-stellungen, Maria / Madonna mit dem Kind, Biblische Szenen,
Schutzengel / Engel, Martin Luther, weitere Reformatorendarstellungen,
Gustav Adolf, Mutterliebe / Vaterliebe, Zwei-Wege-Motiv);
· Kleinformatige Andachtsbilder (Lesezeichen, Postkarten, ungenormte
Andachtsbilder);
· Gedenkblätter, -karten und gegenständliche Andenken;
· Glückwunschkarten zu Erstkommunion und Konfirmation;
· Gebrauchsgegenstände (Teller, Tassen, Brotdosen, Weihwasserkessel);
· Kleinplastik (Christus, Maria / Madonna mit dem Kind, Schutzengel
/ Engel, Kreuze, Spieluhren);
· Schmuck (vor allem Kreuzanhänger).
Die meisten Objekte
entfallen derzeit auf die Kategorie des religiösen Wandschmucks,
gefolgt von kleinformatigen Andachtsbildern und religiösem Schrifttum.
Derzeit bemüht sich das Archiv um die gezielte Erweiterung der
Sammlung im Bereich von Postkarten mit religiösen Motiven sowie
um Spieluhren. In der Sammlung befindet sich auch eine Martin-Luther-Spieluhr
aus der Zeit um 1900 (Typus Zimmerdenkmal).
Bereits jetzt lassen
das Profil der Sammlung und die Bandbreite der Objekte interessante
Rückschlüsse auf Frömmigkeitsverhalten und Äußerungen
eines religiösen Marktes zu.
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Protestantismus
und Bildkultur
Entgegen weit verbreiteter
Vorurteile ist der Protestantismus keineswegs arm an Bildern. Bilder
werden grundsätzlich als ein Medium der Verkündigung und der
Andacht akzeptiert.
Dem Bilderkult aber,
seit Luther in der katholischen Frömmigkeitspraxis kritisiert,
wird eine deutliche Absage erteilt. Nach Luther sind die Bilder weder
gut noch böse, man mag sie haben oder nicht haben.
(WA Bd. 10, S. 27.) Das Anbeten der Bilder verurteilt er hingegen strikt.
Bilder können das Bibelwort ergänzen, nicht aber ersetzen.
(Vgl. hierzu Unseld, S. 33.) Bilderarme Kirchen vor allem im reformierten
Bereich spiegeln daher nur einen Abschnitt evangelischer Frömmigkeitsgeschichte
wider. Zahlreiche oder weniger zahlreiche Bilddarstellungen in Kirchen
sind eben nur eine Seite dieser Bildpraxis. Denn der Glaube im Alltag,
die private Frömmigkeit, findet ganz besondere und eigene Ausdrucksformen.
Dazu gehören Erbauungsbücher, aber auch Darstellungen in repräsentativen
Bilderbibeln, Andachtsbilder, illustrierte Wandsprüche, Schutzengel-
und Bibelszenen sowie Erinnerungsgraphik, um nur die wichtigsten Beispiele
zu nennen.
Im Prozess der zunehmenden
Säkularisierung von Staat und Gesellschaft werden religiöse
Formen und Inhalte mehr und mehr zur Privatsache des Einzelnen und der
Familie. In diesem Zusammenhang gewinnen private Frömmigkeitsformen
und individuell verfügbare Medien an Bedeutung. Seit Mitte des
19. Jahrhunderts erlebt die Bildproduktion durch die Verbesserung der
technischen Voraussetzungen einen deutlichen Aufschwung. War Bildschmuck
in bürgerlichen Wohnungen bis dahin nur bei sehr reichen Familien
anzutreffen, so besteht nunmehr auch für weniger gut gestellte
Familien die Möglichkeit, ihr Heim mit recht preisgünstigen
Bildern zu schmücken. Seit der Wende zum 20. Jahrhundert, als die
Bildprodukte infolge industrieller Massenfertigung immer billiger angeboten
werden, weisen selbst Arbeiterwohnungen gerahmten Bildschmuck an den
Wänden auf.
Neben weltlichen
Motiven erfreuen sich von Anfang an auch religiöse Themen der Publikumsgunst,
gefördert durch die Werbung in christlichen Zeitschriften. Die
dynamisch wachsende Bildproduktion reagiert auf einen stetig wachsenden
Markt mit breiten Käuferschichten in beiden Konfessionen. Die radikale
kirchliche Aufklärung des späten 18. Jahrhunderts hatte in
beiden christlichen Konfessionen zu einer Belebung so genannter volksfrommer
Bewegungen geführt.
Im katholischen
Bereich war dies erkennbar an dem aufblühenden Wallfahrts- und
Devotionalienwesen, am Herz-Jesu- und Herz-Marien-Kult, der stark von
Frankreich beeinflusst wurde.(Vgl. Brückner, Volksfrömmigkeit, in: Frömmigkeit
und Konfession, S. 46.)

Abb. 1: Der gute Hirte, Giovanni (=Josef Untersperger 1864-1933), um
1930.
Im evangelischen
Bereich bilden sich zunächst in einzelnen, meist ländlichen
Gemeinden private Zirkel, die der zunehmenden Rationalisierung der Amtskirche
eine persönliche Glaubenserfahrung und ein entschiedenes Christentum
entgegensetzen. Die so genannte Erweckungsbewegung in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts wird zum Initial der Institutionen Innere Mission
und Diakonie. Dabei bedient sie sich in starkem Maße auch des
Bildes. Neben der Rückbesinnung auf die Bibellektüre entsteht
eine protestantische Jesus-Frömmigkeit, die in Jesus von Nazareth
den Menschen und Helfer in den Vordergrund rückt. (Vgl. "Arme habt
ihr allezeit bei euch...", S. 15.) Bilder wie Der Gute Hirte
und Anklopfender Christus gehören neben Schutzengeldarstellungen
zu den meistverkauften Bildmotiven im evangelischen Bereich.
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Glaubensvergewisserung
durch Bilder und Sprüche
Aufgrund des preiswerten
und massenhaften Angebots sind Drucke mit biblischen Motiven seit Ende
des 19. Jahrhunderts in beiden Konfessionen verbreitet. In katholischen
Haushalten finden sich vorzugsweise Heiligenbilder und Mariendarstellungen,
in protestantischen Häusern sind Engel- und Christusmotive beliebt.
Die ästhetische
Funktion des Wandschmucks spielt dabei für die
Menschen eine wichtige Rolle. Entscheidend aber ist der sozialreligiöse
Aspekt, denn die Bildmotive und Texte dienen der täglichen Ermutigung
und sollen die Glaubensfestigkeit stärken. Während Wandschmuck
und andere Objekte katholischer Volksfrömmigkeit ein bewusster
Hinweis auf die Konfessionszugehörigkeit sein sollen, sind Zeugnisse
protestantischer privater Frömmigkeit in vielen Fällen Ausdruck
eines ganz persönlichen Glaubensbekenntnisses.
In beiden Konfessionen
ist das Motiv des guten Hirten besonders beliebt. In diesem Motiv verbinden
sich antike Bildmotive mit biblisch-christlichen Gedanken. Das Motiv
des Mannes, der auf den Schultern ein Tier trägt, ist durch mehrere
antike Bildwerke überliefert. Bereits in der frühchristlichen
Kunst wird Christus immer wieder als guter Hirte dargestellt, bezugnehmend
auf das Gleichnis vom verlorenen Schaf nach Lukas 15, 3-7 und das Gleichnis
vom guten Hirten nach Johannes 10, 1-16. Das Motiv des guten Hirten
findet sich besonders häufig auf Grabdenkmälern: Christus
in der Gestalt des Schafträgers geleitet die Seele auf ihrem Weg
in das Paradies und bewahrt sie dabei vor dem Zugriff dämonischer
Mächte.
Die Wahl des guten
Hirten als Wandschmuck drückt ein besonderes Schutzbedürfnis
in Krisenzeiten und Bewährungs-situationen aus, in denen religiöser
Halt gesucht wird. Nicht von ungefähr wird dieses Bild in den 1920er
Jahren nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg, zur Zeit der Wirtschaftskrise
und in einer politischen Umbruchsituation besonders häufig
verkauft. Großformatige Bilder (50 cm x 120 cm) dieses Typus hingen
in Wohn- oder vorzugsweise auch in Schlafzimmern, woher die häufig
gebrauchte Bezeichnung Schlafzimmerbild rührt.
Schutzengelbilder
wie das eingangs beschriebene Motiv sind Paradebeispiele für Zeugnisse
christlicher Frömmigkeit (Abb. 2 ganz oben, Heiliger Schutzengel;
Hans Zatzka, genannt Zabtieri (1859-1945), seit 1910 bis heute im Handel).
Sie sollen den Menschen eines Hauses Vertrauen in den göttlichen
Beistand vermitteln. Der Engel als Bote Gottes ist Begleitung auf dem
gefahrvollen Lebensweg. Indem Eltern dieses christliche Bildmotiv als
Wandschmuck wählen, empfehlen sie ihre Kinder dem Schutz des Höchsten.
Schutzengelbilder bleiben aber nicht auf die Kinderzimmer beschränkt.
Das Engelgeleit in freier Landschaft wurde neben Kindergebetsbildern
seit 1880 zum Inbegriff bürgerlichen Wandschmucks beider Konfessionen.
Das Schutzengelmotiv hat sein Vorbild in der Bibel: Im Buch Tobit im
Alten Testament wird der junge Tobias vom Erzengel Raphael auf seiner
gefahrvollen Reise begleitet. Erst am Ende der Geschichte gibt sich
der Engel zu erkennen.
Auch Drucke mit
einem Engel am Bett des betenden Kindes, als Pendantbilder Morgengebet
und Abendgebet, wird gern erworben. Zwar stammt die Vorstellung
von einem Schutzengel, der einen jeden Menschen begleitet, aus der katholischen
Lehre. Doch das Motiv des Engels ist nicht auf diese Konfession beschränkt:
In Luthers Morgen- und Abendsegen beten auch die Protestantinnen und
Protestanten Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse
Feind keine Macht an mir finde.
Die zahlreichen Schutzengelbilder im protestantischen Wohnbereich könnten
eine Erklärung dafür sein, dass diese Motive dem Schutzbedürfnis
des Einzelnen Ausdruck verleihen, aber auch ein Ersatz für Heiligen-
und Marienbilder sind, die wiederum im katholischen Bereich dominieren.

Abb. 3: Illustriertes Psalmwort, um 1900.
Haussegen oder Wandsprüche
wurden in schlichter Form, als gestickte Spruchbilder oder seit
Mitte des 19. Jahrhunderts als Drucke im Wohnbereich aufgehängt.
Gewählt wurden Bibelstellen, die für die Familie häufig
aufgrund besonderer Erfahrungen Bedeutung hatten. Er wird deinen
Fuß nicht gleiten lassen... aus dem 121. Psalm war ein gern
gewähl-ter Konfirmationsspruch und wurde häufig ins Bild gesetzt
). In der Regel kurze Texte wie etwa Befiehl dem Herrn Deine Wege
oder Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen sind
von einer Verzierung umgeben oder in ein Bildmotiv hineingesetzt. Das
insbesondere als Konfirmationsspruch beliebte Bibelwort aus der Offenbarung
des Johannes 2,10 war Ermunterung und Ermahnung zu einem christlichen
Leben: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des
ewigen Lebens geben. Die Verheißung himmlischen Lohnes verbindet
sich Ende des 19. Jahrhunderts nahtlos mit bürgerlichem Pflichtethos,
das dadurch eine quasi-religiöse Weihe erhält. Insofern findet
sich auch dieser Wandspruch häufig in reicher Verzierung, etwa
als Straminbild mit Eglomisérahmung, geschmückt mit Edelweiß
und Farn, in der Zeit zwischen 1880 und 1920.
Die Verzierung von
Wandsprüchen mit Edelweiß und Farn war in dieser Zeit üblich.
Das Edelweiß steht für das ewige Leben und für selbst
vor dem Einsatz des eigenen Lebens nicht zurückschreckende Liebe
und Treue. Die Unbegreiflichkeit dieser Wunderkraft symbolisiert der
Farn, dem der Volksglauben besondere Kräfte nachsagte. Bildgestaltungen
wie diese sind nicht auf den religiösen Bereich beschränkt,
sie finden sich etwa auch im Zusammenhang mit Erinnerungstafeln von
Parteien und Vereinen.
Christliche Frömmigkeit
ist bis heute ein gewichtiger Teil der Alltagsgeschichte und dies in
einem viel größeren Maße, als den Menschen gemeinhin
bewusst ist. Ihre Zeugnisse, seien es Wandbilder, Hausrat oder Erbauungsbücher,
sind daher auch immer auf ihre Funktion im Hause, für die Familie,
für den einzelnen Menschen hin zu befragen. Der ästhetisierende
Blickwinkel würde mit den Attributen Kunst und Kitsch,
hübsch und hässlich viel zu kurz greifen.
Neben dem ästhetischen
interessiert vielmehr der sozialreligiöse Aspekt, beim christlichen
Wandschmuck also etwa die Fragen:
Warum und
zu welchem Anlass wurde ein Bildmotiv erworben?
Wo wurde es aufgehängt?
Was verbanden die Menschen mit dem Motiv?
Die Verbindung von
Motivgeschichte, Erhellung der Bildsprache und Erwerbsmotivation verlebendigen
die Besitzgeschichte und ermöglichen etwa im Zusammenhang
mit Ausstellungen lebensnahe Beschreibungen, die Menschen einen
neuen Zugang zu Bildzeugnissen vermitteln.
Folgendes
Beispiel mag dies belegen. Die Sammlung Volksfrömmigkeit
des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer enthält
ein großformatiges Wandbild, das die Unterschrift trägt Gustav
Adolf erfleht vom Himmel den Sieg am Morgen vor der Schlacht bei Lützen
(Abb.
4 rechts). Die Chromolithographie wurde nach einem Gemälde von
Otto Fikentscher (1862-1945) um 1900 in dem Berliner Verlag Werner Grosse
publiziert. Der Schwedenkönig Gustav II. Adolf (1594-1632) betet,
auf seinem Pferde sitzend, mit zum Himmel erhobenen Händen vor
der Schlacht bei Lützen am 16. November 1632, in der er den Tod
finden sollte. Ein typisches Historienbild jener Zeit, jedenfalls auf
den ersten Blick.
Des Königs
Opfertod für die gerechte Glaubenssache gewinnt durch die Motivwahl
des Gebets vor der Schlacht ölbergähnliche, christusanaloge
Züge. Aufgrund der Bedeutung, die das zunächst siegreiche
Eingreifen Gustav Adolfs im Dreißigjährigen Krieg für
die protestantische Pfalz hatte, wurde der Schwedenkönig hier besonders
verehrt. In vielen protestantischen Kirchen hängt bis heute sein
idealisiertes Porträt. Als Vorbild für protestantische Glaubensgewissheit
stand Gustav Adolf dafür, in Zeiten religiöser Not und Bedrückung
die unerschrockene Glaubensfestigkeit und Glaubensfreude nicht zu verlieren.
Aufgrund dieses historischen Kontextes war mit einer Darstellung des
protestantischen Glaubenshelden Gustav Adolf auch immer ein antikatholischer
Affekt verbunden.
Dieses Exemplar
hing im Schlafzimmer einer Familie in der Südpfalz. Zum Ende des
Zweiten Weltkrieges versteckten sie das Bild aus Angst vor den einmarschierenden
französischen katholischen Truppen in der Scheune.
Aus dieser Zeit stammen auch die sichtbaren Feuchtigkeitsschäden.
Als das Archiv das Bild für die Sammlung erhielt, war die Überlieferung
seiner Geschichte eine wichtige Kontextinformation für die Präsentation
in einer Ausstellung. Die Feuchtigkeits-Flecken wären sonst als
bloßer Schaden der Zeit oder ein Zeichen nachlässiger Behandlung
durch die vormaligen Besitzer gedeutet worden.
Christliche Frömmigkeit
spiegelt sich auch auf Objekten des täglichen Gebrauchs. Die Bitte
um das tägliche Brot aus dem Vaterunser und sprichwörtliche
Redensarten religiösen Inhalts finden sich vorzugsweise auf Brottellern.
Die Worte dienten der alltäglichen Erinnerung und Mahnung. Auch
Brotdosen mit Segensspruch sind wichtige Alltagszeugnisse christlicher
Frömmigkeit. Auf einem Porzellanbrotteller aus der Zeit um 1910
etwa sollen Rosenmotive im Zusammenhang mit dem Text An Gottes
Segen ist alles gelegen versinnbildlichen, dass das Menschenleben
blüht und gedeiht, solange es des göttlichen Segens teilhaftig
ist. Andere Teller tragen den Text Unser täglich Brot gieb
uns heute in Verbindung mit einem Amorettenmotiv in idyllischer
Landschaft. Diese Kombination von Text und Bildmotiv spiegelt das kindliche
Urvertrauen in die göttliche Gnade, die das tägliche Brot
gewährt.
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Erinnerungsbilder
und Konfirmationsandenken
Einen biographischen
Bezug haben die zahlreichen Erinnerungsbilder zu wichtigen Ereignissen
im Lebenslauf wie Konfirmation und Hochzeit, aber auch Andenken an Verstorbene.
Das Ereignis, an das hier erinnert wird, ist eine wichtige Station im
christlichen Leben, so dass den Erinnerungsbildern, vor allem den Konfirmationsscheinen,
der Charakter von Andachtsbildern zukommt. Konfirmationsscheine im protestantischen
oder auch Kommunionsscheine im katholischen Bereich sind in diesem Kontext
die wohl wichtigsten Beispiele der persönlichen Erinnerungsbilder.
Für die Menschen waren sie oft lebenslange Begleiter. Wichtiger
als der dekorative Charakter des Scheines war der Erinnerungswert an
einen bedeutsamen Tag oder die Tatsache, dass der darauf notierte Konfirmationsspruch
immer zugegen ist, zumal dann, wenn der Schein aufgehängt wurde.

Abb. 5: Brotteller aus Porzellan, um 1880; ohne Herstellernachweis.
Vom Pfarrer auf
die Persönlichkeit des Konfirmierten hin ausgewählt und öffentlich
im Zusammenhang mit der Einsegnung zugesagt, wurde dem Konfirmationsspruch
große Bedeutung zugemessen. Als Leitvers für das weitere
Leben fast wie ein Orakel und als Charakterisierung des
Konfirmierten fast wie ein Zeugnis wurde seine Zusage
mit Spannung erwartet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich
die Bebilderung der Konfirmationsscheine durch. Nun sind regional gebundene
Tendenzen bei der Gestaltung der Scheine zu beobachten. Sie wurden häufig
bei den Druckereien etwa des Rauhen Hauses in Hamburg oder anderer Anstalten
der Inneren Mission erworben. Und man entdeckte die Scheine selbst als
Mittel der Inneren Mission. Mit ihnen sollte in einer Zeit schwindender
kirchlicher Bindung den Konfirmierten etwas mit auf den Lebensweg gegeben
werden, das religiöse Inhalte bereithielt. (Vgl. Schönebeck, S.
3-10.)
Der Konfirmationsspruch
bedeutete den Menschen in Notzeiten Trost und Zuspruch, denn er beinhaltete
zumeist ein Wort, das Mut machte und die Zusage Gottes vermittelte.
Durch ihn konnte man zum Glauben (zurück-) finden. Ein solches
Angebot sollte der Konfirmationsschein darstellen. In gewissen Momenten,
so hofften die Pfarrer, würde der einstmals Konfirmierte sich in
seinem Leben dem Konfirmationsschein wieder zuwenden, einmal genauer
hinsehen oder ihn aus den persönlichen Unterlagen oder unter den
Erinnerungsgegenständen hervorsuchen. Für diesen Moment sollte
der Schein dann etwas zu bieten haben: eine bildliche Darstellung wichtiger
Glaubensinhalte oder biblischer Geschichten, ein Gebet oder einen Liedvers
aus dem Gesangbuch, ferner den Konfirmationsspruch und Anknüpfungspunkte
zur Erinnerung an das Konfirmationsfest und den Konfirmandenunterricht,
die Zeit der Kindheit oder die Heimat. In abgeschwächter Form ist
dies sicherlich auch in die Gegenwart übertragbar.
Besonders
beliebte Darstellungen auf Konfirmationsscheinen waren die klassischen
Werke bedeutender Künstler wie Caspar David Friedrich (Kreuz im
Gebirge) oder Albrecht Dürer (Betende Hände). Die von zahlreichen
Verlagen wiederholt aufgelegte Reproduktion der Betenden Hände
Albrecht Dürers entwickelte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts
zum allgemeinen Kulturgut in deutschen Wohn- und Schlafzimmern (Abb.
6 rechts: Konfirmationsschein für Marianne Bürger, Oggersheim, 29. März
1942). So verlegte der Evangelische Verein für die Pfalz das Motiv
in den 1930er Jahren mit 100 verschiedenen Sprüchen zur Auswahl.
Die Verwendung von Dürerwerken auf Konfirmationsscheinen war unter
anderem deshalb beliebt, weil der Künstler sich in seinen letzten
Lebensjahren zum Protestantismus bekannt hatte. Die Pinselzeichnung
mit dem Titel Hände eines Apostels entstand 1508 als
Vorstufe für das Altarbild Himmelfahrt und Krönung Marias.
Gern wurden auch
Konfirmationstassen verschenkt. Für die Sammlung des Zentralarchivs
konnte eine um 1900 gefertigte Porzellantasse erworben werden. Sie ist
mit Goldrand, Schmuckbordüre und Mittelmotiv verziert und mit einem
Erinnerungstext versehen. Das Mittelmotiv verweist auf
den christlichen Lebensweg: Nach der geistlichen Geburt am Tage der
Konfirmation, symbolisiert durch den Kelch, begleitet die Bibel den
weiteren Lebensweg bis zum Tode im Zeichen des Kreuzes. Das Fundament
des christlichen Lebens ist die Hoffnung auf das ewige Leben, versinnbildlicht
durch das Siegeszeichen des grünen Palmwedels. Der Bogen über
dem Mittelmotiv, auf dem der Erinnerungstext angebracht ist, gemahnt
an das Zeichen des neuen Bundes zwischen Gott und Mensch und an den
Tag
des Endgerichts, bei dem Christus als Weltenrichter auf dem Regenbogen
thront. Der Goldrand unterstreicht die sakrale Bedeutung der Tasse,
die keineswegs zum täglichen Gebrauch bestimmt war.
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Frömmigkeit
Umrisse eines Phänomens
Die Durchdringung
des Alltags mit Religiosität hat eine lange Tradition und wird
auch mit den Begriffen Volksfrömmigkeit oder Volksglauben umschrieben.
Gegenstände und Praktiken der privaten Frömmigkeit in beiden
christlichen Konfessionen sind bis heute einem Bedeutungswandel und
auch einem Bedeutungsverlust unterworfen. Doch Frömmigkeitsformen
prägen und gestalten den Alltag zu allen Zeiten mit und
dies oft mehr, als den Handelnden bewusst ist. Private Frömmigkeit
äußert sich in Objekten sowie in meist mündlich
überlieferten Bräuchen.
Die Bandbreite dessen,
was man unter dem Stichwort Volksfrömmigkeit subsumieren
kann, ist natürlich sehr groß. Was versteht man überhaupt
unter Volksfrömmigkeit? Der Begriff findet sich zwar in einigen
Konversationslexika, wie etwa im Brockhaus, aber die Definition ist
fragwürdig. So weist Band 23 der neubearbeiteten Brockhaus
Enzyklopädie aus dem Jahre 1994 unter dem Stichwort folgenden
Eintrag aus:
Volksfrömmigkeit.
Bezeichnung für Formen der Frömmigkeit und des Kultes, die
sich von der offiziellen Religion dadurch unterscheiden, daß
sie Reste früherer Zeiten und untergegangener oder verdrängter
Religionen bewahren.
Sodann wird auf
das Stichwort Volksglaube verwiesen, unter dem sich einige Literaturhinweise
befinden, die nach Auffassung von Wolfgang Brückner, eines ausgewiesenen
Kenners der Materie, weit hinter den mittlerweile erreichten Forschungsstand
zurückfallen. Da Frömmigkeit ein Wort aus der Alltagssprache
ist, lässt sich also trefflich mit diesem Stichwort fabulieren.
Brückner selbst hatte in der Brockhaus-Ausgabe von 1974 eine umfassende
Definition des Begriffes Volksfrömmigkeit geliefert, die auch heute
noch gültig ist und hier in Auszügen wiedergegeben wird:
Volksfrömmigkeit,
eine Sonderbezeichnung der Volkskunde für Erscheinungen des Volksglaubens,
soweit sie von Überlieferungen der christlichen Konfessionen
geprägt sind oder im Zusammenhang des kirchlichen Lebens stehen
wie das volkstümliche Wallfahrts- und Prozessionswesen, die Praxis
der Heiligenverehrung und des Sakramentaliengebrauchs, die Wegekreuze
und Feldkapellen, die brauchtümliche Ausschmückung der Jahresfeste,
der Lebensstadien sowie des Tageslaufs, vor allem aber die solcher
Welterfahrung und -gestaltung zugrundeliegende ,geistliche Kommunikationsweise
in Bildern und Zeichen, weiterhin die geistlichen Lieder und Schauspiele.
(Vgl. Brückner, Probleme der Frömmigkeitsforschung, in: Frömmigkeit
und Konfession, S. 77. Hier auch die Bewertung der derzeitigen Lexikoneinträge.)
In einem umfassenden
Wortsinn bedeutet Frömmigkeit, einer Religion gemäß
zu leben und zu handeln. Frömmigkeit umschreibt somit zahlreiche
Formen religiösen Handelns, dessen Formen geprägt sind durch
Tradition sowie durch wechselnde historische Situationen, die sich wiederum
zu Traditionen aufbauen können. Volksfrömmigkeit,
genauer private christliche Frömmigkeit, beinhaltet also religiöses
Handeln im Alltag, wobei über dieses Handeln Konsens besteht. Das
heißt: dieses Handeln ist in weiten Teilen der Bevölkerung
verbreitet, es hat seinen Sitz in der Imagination der Menschen, ist
täglich gelebter und lebendig gehaltener Glaube außerhalb
von Kirche und Gottesdienst. Volkskirche lebt auch und gerade in den
Formen der Volksfrömmigkeit.
Formen dieser Frömmigkeit
ähneln sich in beiden Konfessionen, doch sind die Zeugnisse im
katholischen Bereich vielfältiger und häufiger als im Protestantismus.
Es kommt daher nicht von ungefähr, dass die Konfessionen im allgemeinen
Bewusstsein mehr nach den Praktiken der kirchlichen Bräuche, weniger
nach der theologischen Lehre unterschieden wurden. Die evangelische
Kirche fühlt sich in reformatorischer Tradition allein dem Wort
Gottes, der Bibel, verpflichtet. Bedingt durch Luthers Lehre von der
Rechtfertigung des Sünders allein durch die Gnade Gottes bildeten
sich nur wenige bildträchtige Formen individueller Frömmigkeit
aus, zumal die Verehrung von Kultbildern strikt abgelehnt wurde. Die
Lektüre von Erbauungsliteratur bis hin zu Losungsbüchern sind
Beispiele für protestantische Frömmigkeit. Die Traditionen
von Taufkerze, Andachtsbild, Schmuckstücken in Kreuzform
oder Autoaufklebern kommen in beiden Konfessionen vor. Rosenkranz, Reliquien
und Wallfahrtsandenken hingegen sind Zeugnisse katholischer Frömmigkeitspraxis.
Die Eingebundenheit
in den christlichen Lebenszusammenhang dokumentiert sich auch über
die Gestaltung des Wohnbereichs. Im katholischen Glauben hat sich in
langer Tradition ein vielfältiges Bilder- und Zeichensystem entwickelt.
Kruzifixe, Heiligenfiguren und Weihwassergefäße gehören
ebenso in das katholische Haus wie Devotionalien ganz unterschiedlicher
Herkunft. Aber eine eindeutige konfessionelle Zuordnung ist nicht in
jedem Falle möglich und im übrigen auch nicht sinnvoll, da
die Übergänge fließend sind. Insofern hat Volksfrömmigkeit
auch einen überkonfessionellen Charakter und kann der Ökumene
wichtige Impulse geben.
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Volksfrömmigkeit
Aktualität des scheinbar Vergangenen
Die so genannte
Volksfrömmigkeit ist kein gestriges, sondern ein höchst aktuelles
Thema. Frömmigkeitsformen prägen den Alltag bis heute, wenngleich
sie nicht immer religiös fundiert sind. Die Tradition christlicher
privater Frömmigkeit findet sich, wenn auch immer weniger offenbar,
in protestantischen oder katholischen Familien, vorzugsweise im Wohnbereich.
Der Aufkleber am Auto am bekanntesten der Fisch ist ein
offen sichtbares christliches Bekenntnis. Der Spaziergang über
einen Friedhof etwa vermittelt einen Jahrhunderte umspannenden Eindruck
von der Vielfalt an Frömmigkeitszeugnissen, die sich mit dem Tode
von Mitmenschen bis heute verbinden. Das Museum für Sepulkralkultur
in Kassel widmet sich dieser besonderen Frömmigkeitsform.
Wegekreuze werden
als sakrale Flurdenkmäler bis heute gepflegt. Religiöser Wandschmuck
wird immer noch vertrieben, selbst über das Internet können
Drucke bestellt werden. Dabei erfreuen sich insbesondere Schutzengelbilder
einer ungebrochenen Beliebtheit. Auch ein Markt für religiöse
Volkskunst ist nach wie vor vorhanden, ablesbar an der Existenz entsprechender
Geschäfte, seien es Krippenschnitzereien oder Devotionalienläden.
Die vielfach als Ölschinken geschmähten Schlafzimmerbilder
früherer Generationen werden trotz Naserümpfens verstärkt
gesammelt, nicht nur von Museen und Archiven. Losungsbücher, allen
voran das jährlich in immer mehr Sprachen aufgelegte Losungsbuch
der Herrnhuter Brüdergemeinde, und kleine Andachtsbücher als
Geschenke für Kranke sind weitere Beispiele für Zeugnisse
christlicher Volksfrömmigkeit, die ihre Käufer- und Leserschichten
haben. Auch die Initiative Andere Zeiten e.V. in Hamburg
mit ihrem in steigender Auflage vertriebenen Adventskalender erfreut
sich eines immer größere Kreise umfassenden Zuspruchs. So
ist das scheinbar Vergangene immer noch gegenwärtig, findet allerdings
auch neue Ausdrucksformen und driftet dabei bisweilen in esoterische
Bereiche ab.
Volksfrömmigkeit als Ausdruck des alltäglich gelebten Glaubens
ist also keineswegs, wie die Brockhaus-Definition es nahezulegen scheint,
abgestorben. Die Traditionen individueller Frömmigkeitspraxis werden
trotz aller Säkularisierungstendenzen sicher überleben, wenn
auch in jeweils gewandelter Form. Neues wird sich gleichviel
ob in alten oder jungen Formen auf die Dauer durchsetzen, sofern
eine breite Schicht der Gläubigen es trägt; eine Schicht quer
durch alle Grade der kirchlichen Hierarchie und des Bildungsniveaus
im Kirchenvolk. (So die Prognose bei Brückner, Volksfrömmigkeit,
in: Frömmigkeit und Konfession, S. 53.)
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Von
der Sammlung zur Ausstellung
Seit 29. August
2002 werden zirka 70 Objekte der Sammlung Volksfrömmigkeit
in einer gemeinsamen Ausstellung, verteilt auf zwei Häuser, in
Speyer gezeigt. Das Historische Museum der Pfalz und das Zentralarchiv
präsentieren jeweils in ihren Räumen Zeugnisse christlicher
Volksfrömmigkeit. Vor allem religiöse Wandbilder, Haussegen,
Patenbriefe, Geschirr und Erinnerungsblätter sind Beispiele privater
Frömmigkeitsformen. Und jedes Stück hat seine Geschichte.
Seit Oktober letzten
Jahres ist in den Räumen des Museums eine Ausstellung zur Geschichte
des pfälzischen Protestantismus zu sehen, die bereits in enger
Zusammenarbeit zwischen Landeskirche und Museum gestaltet wurde. Nun
zeigen die beiden zirka eine Gehminute auseinanderliegenden Institutionen
erstmals eine gemeinsame Ausstellung zu einem Thema, das schon im Vorfeld
großes Interesse fand, wie zahlreiche Voranfragen belegten. Die
bisherige Resonanz auf die Präsentation ist ausgesprochen erfreulich.
Zahlreiche kirchliche Gruppen und Einzelpersonen, die sonst keinen Bezug
zur Archivarbeit haben, setzen sich mit den Zeugnissen des Glaubens
im Alltag auseinander. Die Kooperation mit einem Partner wie dem
Museum brachte für die Wahrnehmung einer Archivausstellung neben
dem zugkräftigen Thema sicher einen öffentlichkeitswirksamen
Schub.
Für das Zentralarchiv
ist jede Ausstellung ein gewichtiger Teil archivischer und damit kirchlicher
Öffentlichkeitsarbeit, wie sie auch im Archivgesetz festgeschrieben
ist. Ausstellungen dienen in besonderer Weise der Verlebendigung der
Geschichte im Lernort Archiv, keineswegs in Konkurrenz, sondern in fruchtbarer
Kooperation mit den Museen, wie das aktuelle Beispiel belegt.
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Die
Autoren
Dr. Gabriele Stüber
geb. in Lübeck; Archivdirektorin des Zentralarchivs der Evangelischen
Kirche der Pfalz, Speyer; Studium in Kiel und Ottawa, Canada
Forschungsschwerpunkte: Sozialgeschichte (bes. Alltags- und Frauengeschichte),
Diakoniegeschichte, Verwaltungsgeschichte, Kirche und Gesellschaft.
Andreas Kuhn, M.A.
geb. in Mannheim; Kulturhistoriker, Neustadt an der Weinstraße
Studium in Heidelberg;
Forschungsschwerpunkte: Geistes- und Sozialgeschichte, Zeichensysteme,
Ikonographie, christliche Kunstgeschichte, Bildrezeption;
Andreas Kuhn berät das Zentralarchiv bei der inhaltlichen Vorbereitung
von Ausstellungen (kulturhistorische Einordnung der Stücke, ikonographische
Entschlüsselung der Bildprogramme).
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Weiterführende
Literatur zum Thema
"Arme habt
ihr allezeit bei euch...". 125 Jahre diakonisches Handeln in Hannover.
Ausstellungskatalog. Hannover 1990.
Brückner, Wolfgang:
Elfenreigen - Hochzeitstraum. Öldruckfabrikation 1880-1940. Köln
1974.
Brückner, Wolfgang:
Kunst und Konsum. Massenbilderforschung. Würzburg 2000 (Veröffentlichungen
zur Volkskunde und Kulturgeschichte Bd. 82; Volkskunde als historische
Kulturwissenschaft. Gesammelte Schriften von Wolfgang Brückner).
Brückner, Wolfgang:
Frömmigkeit und Konfession. Verstehensprobleme, Denkformen, Lebenspraxis.
Würzburg 2000 (Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte
Bd. 86; Volkskunde als historische Kulturwissenschaft. Gesammelte Schriften
von Wolfgang Brückner).
Brückner, Wolfgang
und Pieske, Christa: Die Bilderfabrik. Dokumentation zur Kunst- und
Sozialgeschichte der industriellen Wandschmuckherstellung zwischen 1845
und 1973 am Beispiel eines Großunternehmens. Frankfurt am Main
1973.
Dröge, Kurt:
Sprüche zur Konfirmation. Bilder zur Erstkommunion. Detmold 1985.
Kriss-Rettenbeck,
Lenz: Bilder und Zeichen religiösen Volksglaubens. München
1963.
Lange, Ulrike: Glauben
Daheim. Zeugnisse evangelischer Volksfrömmigkeit. Zur Erinnerung.
Zimmerdenkmale im Lebenslauf. Eine Gemeinschaftsausstellung des Fränkische-Schweiz-Museums
Tüchersfeld, 1994, und des Museums für Sepulkralkultur Kassel
1995. Kassel 1994.
Langner, Bruno:
Evangelische Bilderwelt. Druckgraphik zwischen 1850 und 1950. Bad Windsheim
1992.
Scharfe, Martin:
Evangelische Andachtsbilder. Studien zu Intention und Funktion des Bildes
in der Frömmigkeitsgeschichte vornehmlich des schwäbischen
Raumes. Stuttgart 1968.
Schönebeck,
Christine: Evangelische Bilderwelten. Konfirmationsscheine. Dokumentation
zur Ausstellung im Kreismuseum Peine vom 27.4. bis 31.5.1994.
Unseld, Werner:
Bilder im evangelischen Haus. In: Zwischen Kanzel und Kehrwoche. Glauben
und Leben im evangelischen Württemberg. Hrsg. v. Landeskirchlichen
Museum. Ludwigsburg 1994, S. 33-47.
WA = Martin Luther:
Werke. Kritische Gesamtausgabe. Weimar 1883ff.
Bildnachweis: Alle
Abbildungen stammen aus dem Zentralarchiv
Der vollständige
Artikel von Gabriele Stüberl / Andreas Kuhn ist in Heft 17/2 2002,
Seite 3-18, abgedruckt. Das Heft kann per
Mail oder im Buchhandel (ISSN: 0938-2964) bestellt werden.
Eine gekürzte und
leicht veränderte Fassung dieses Beitrags erscheint unter dem Titel
"Volksfrömmigkeit oder Wie Glaube sich an Bildern festmacht" auf Bitten
des Azur-Verlages Mannheim in einer von diesem herausgegebenen Anthologie
mit dem Titel "Entwicklungen in Kirche und Theologie". Die Veröffentlichung
ist für das Frühjahr 2003 geplant.
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